Social Entrepreneurship, Stiftung & Sponsoring
Mit nahezu einer kompletten Ausgabe widmet sich die Zeitschrift “Stiftung & Sponsoring” aktuell dem Thema Social Entrepreneurship. Dabei werden u.a. relevante Themen wie Finanzierung, rechtliche Aspekte und oder auch wissenschaftliche Theoriebildung angesprochen.
Da deutsche Beiträge in diesem Sektor vergleichsweise selten auftauchen, hier ein kleiner Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Stefan Nährlich: Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie. Sozialunternehmertum im Lichte der NPO-Lehre
- Ulrike Wah: Community Impact first! Sozialunternehmerische Ansätze in Afrika und Lateinamerika
- Bernhard Lorentz/Felix Streiter: Auf der Suche nach dem Sozialunternehmertum. Social Entrepreneurship unter der wissenschaftlichen Lupe
- Peter Spiegel: Social Impact Business. Sozial wirksam und unternehmerisch handeln
- Michael Ahlberg-Seberich/Anna Wolf: Social Impact Financing. Klassische und neue Finanzierungsinstrumente
- Gabriele Ritter: Venture Philanthrophy, Social Entrepreneurship, Social Business. Eine Betrachtung aus der Sicht des Gemeinützigkeitsrechts
Für Social Entrepreneurship/Business-Interessierte also sicher eine lohnenswerte Ausgabe. Zur Website der Zeitschrift geht es hier.
50.000 EUR für Social Entrepreneurs
Bis zum 20. Mai 2012 können sich Social Entrepreneurs in den Bereichen Bildung und Integration beim neuen “Act for Impact”-Programm der Vodafone Stiftung Deutschland und der Social Entrepreneurship Akademie bewerben.
10.000 EUR werden durch ein öffentliches Facebook-Votum, 40.000 durch eine Jury vergeben. Außerdem winkt die Aufnahme in die Gründerförderung der Social Entrepreneurship Akademie. Wer in’s Finale der besten fünf kommt, sollte der Jury eine auf dem Social Reporting Standard (SRS) basierende Unterlage präsentieren können.
Zur Ausschreibung geht es hier.
Wichtig? Oder einfach nur dringend?
Was ist wichtig? Was ist nur dringend? Diese Unterscheidung soll uns helfen, unseren Arbeitsalltag besser zu strukturieren und sinnvolle Prioritäten zu setzen.
Am Beispiel der amerikanischen Investmentfirma Pimco beschreibt Patricia Döhle in einem aktuellen brand eins-Artikel dieses Prinzip, das auch als “Eisenhower-Prinzip” bekannt ist. Einfach sei es, so Döhle, Dinge zu identifizieren, die entweder nur dringend oder nur wichtig seien. Schwieriger hingegen sei es, die Mischformen zu erkennen und angemessen mit ihnen umzugehen.
Eine interessante Sichtweise, die sich schnell in den eigenen Alltag integrieren lässt und zu erstaunlichen Ergebnissen führt. Tipp: Einfach mal ausprobieren und sich an den eigenen Aufgaben die Frage stellen: Wichtig? Oder nur dringend?
Zum brand eins-Artikel geht es hier.
Fehler? Scheitern? Lernen!
Beim Heldenrat wird seit einiger Zeit eine interessante Diskussion geführt: Erreichen wir mit unserer Arbeit eigentlich unser Ziel, den sozialen Initiativen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben? Lernen sie durch uns, Aufgaben strukturiert und systematisch auch nach unserer Beratung alleine zu bearbeiten? Oder erzeugen wir zwar eine ganze Menge positive Wirkung, aber eben eine anders als intendiert?
Diese Diskussion ist wichtig für uns, weil sie unsere Ziele und unser Instrumentarium weiterentwickelt. Sie dient der Selbstreflexion und versucht, auch unsere Zielgruppe mit deren Wahrnehmung und Bedürfnissen mit einzubeziehen. So entstehen Lernschleifen, die uns auch nach sieben Jahren noch evolutionäre Weiterentwicklung ermöglichen.
Wenn man erkennen muss, dass ein eingeschlagener Weg vielleicht nicht der richtige ist, wird oft auch von einem Scheitern gesprochen. Gegen ein solches Verständnis hat Heldenrat sich schon mehrfach ausgesprochen (z.B. 2007 und 2008). Umso mehr erfreulicher ist es, dass der aktuelle Trendreport vom betterplace lab ausführlich auf dieses wichtige Thema eingeht. Unter dem Titel “Produktiv Scheitern” beschreibt er, wie eine transparenter und offener Umgang mit Fehlern nicht nur in Wirtschaftskreisen, sondern auch im sozialen Sektor zunehmend akzeptiert wird. Eine neue Lernkultur entsteht dabei. Auch wenn dieser Trend noch ganz am Anfang steht, liegen die Vorteile auf der Hand:
“- Wer Fehler zugibt, zeigt, was er daraus gelernt hat und wie er das Gelernte zur Verbesserung seiner Arbeit genutzt hat, gewinnt Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
- Eine offenere Fehlerkultur fördert Innovationen.
- Wer Fehler teilt, ist uneigennützig und hilft dem Sozialen Sektor insgesamt, Fehlerredundanzen zu vermeiden.” (Quelle: Trendreport betterplace lab)
Der Trendreport schließt mit einer Reihe von weiterführenden und sichtenswerten Online-Quellen zum Thema ab.
Zum Trendreport geht es hier.
Veranstaltungen zu Social Entrepreneurship
Der Tagungsfrühling wirft seine Schatten voraus und mit ihm eine Reihe von Veranstaltungen zu Social Entrepreneurship:
20./21. April 2012: Social Entrepreneurship Weekend an der Social Entrepreneurship Academy München
http://www.seakademie.de/socialentrepreneurshipweekend.aspx
23.-25.04.2012: 2. Internationale Spring School zum Thema “Social Entrepreneurship Research” an der Wirtschaftsuniversität Wien
http://www.acrn.eu/springse/
27.-29. April 2012: “CastleCamp Social Entrepreneurship & Coworking” im Jagdschloss Goehrde
http://www.jagdschloss-goehrde.com/events/event/castlecamp-social-entrepreneurship-coworking/
12. Mai 2012: “Accelerate Conference on Entrepreneurship” mit dem Thema Social Entrepreneurship” an der Handelshochschule Leipzig HHL
http://accelerate-entrepreneurship.com/conference/
17.-19. Mai 2012: “Vision Summit” in Berlin
http://www.visionsummit.org/
“Die Welt verändern” – nicht weniger soll der Anspruch von Social Entrepreneurs sein. Und in der Tat: Dinge bewegen sich. Zumindest vorübergehend scheint bei den Wirtschaftslenkern unserer Zeit die Erkenntnis zu reifen, dass Wachstum nicht alles ist und der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht gerecht wird.
Allein – Welche Wege führen zu solcher Erkenntnis? Sind diese Entwicklungen wirklich durch Social Entrepreneurs initiiert? Einleuchtend ist, dass die kürzer werdenden Krisenwellen des Finanzsystems zu einem Umdenken beitragen. Auch eine kritischer werdende Öffentlichkeit verstärkt diesen Effekt sicher. Schließlich liefern auch Social Entrepreneurs mit ihren häufig innovativen Lösungsansätzen für gesellschaftliche Probleme gute Beispiele für alternative Wertorientierung und darauf basierende Geschäftsmodelle. Diese Entwicklungen kann man getrost als exogene, von außen kommende Faktoren bezeichnen. Vergleichen mag man diesen Druck von außen mit den politischen Entwicklungen der 60er und 70er Jahre und ihrer “Außerparlamentarischen Opposition (APO)”, wie sie unsere Eltern noch kennengelernt haben.
Doch schon damals gab es eine parallele Strömung: Die Strömung derjenigen, die “das System” von innen heraus verändern wollten und sich auf den “Marsch durch die Institutionen” gemacht haben. Ziel war, alternative Wertvorstellungen und Handlungsweisen in etablierten Institutionen zu verankern und so von innen das politische System weiterzuentwickeln.
Man mag sich fragen, welcher Weg denn nun der erfolgreichere war und ist. Ein Blick auf die jüngere politische Geschichte zeigt jedoch: beide Wege bedingen sich gegenseitig und führen in Kombination miteinander zum Erfolg. Utopie, Konsequenz und positiver Aktionismus auf der einen, Pragmatismus, Koalitionen und kleine Schritte auf der anderen Seite.
Viel ist dieser Tage die Rede davon, dass junge Menschen sich für Social Entrepreneurship begeistern. Das ist begrüßenswert. Was jedoch mindestens genauso notwendig ist, ist eine Weiterentwicklung wirtschaftlichen Denkens von innen heraus. Der “Marsch durch die Institutionen” steht erneut an – es geht darum, das Prinzip des menschlichen, nachhaltigen Wirtschaftens durch gut ausgebildete und sensibilisierte Menschen in die Unternehmen zu tragen. Das gilt übrigens nicht nur für die Erzeuger von Konsumgüter wie Mode und Nahrungsmittel. Sondern insbesondere auch für den Business-2-Business-Bereich und den Bereich der industriellen Fertigung, in dem solche Denkweisen mangels fehlender Öffentlichkeit häufig kaum vorzufinden sind.
Es reicht leider nicht, nur durch kleine, noch so innovative Neugründungen Beispiele für eine neue Art des Wirtschaftens zu setzen. Bestehende Systeme und Organisationen lassen sich nicht nur von außen ändern – es müssen sich auch genügend Menschen finden, die sich auf den mühsamen und wenig glorreichen Weg in die etablierten Akteursstrukturen hinein machen. Externe Anreize wie Finanzkrisen und eine durch Skandale aufgeweckte Öffentlichkeit mögen vorübergehend sein – nachhaltig denkende Persönlichkeiten innerhalb dieser Strukturen bleiben. Das kann man dann wohl mit Social Intrapreneurship bezeichnen. Hinzu kommt, dass die Hebelwirkung etablierter größerer Organisationen potentiell größer ist als die von Neugründungen.
Es bleibt viel zu tun auf dem Weg zu nachhaltigem, sozialem Wirtschaften. Innerhalb und außerhalb heutiger Strukturen. Wir brauchen also viele Social Entre- und Intrapreneurs.
310 Mill. EUR für Social Investments?
310 Millionen EUR Darlehen zu einem Zinssatz von 0 %, Rückzahlung nur 99,8%. Wovon in der Finanzierung sozialer Innovationen nur geträumt werden kann, wurde vor Weihnachten für Dänemark Realität: Die Anleger dänischer Staatsanleihen begnügten sich mit der Aussicht auf eine vergleichsweise sichere Rückzahlung ihres Kapitals und verzichten auf Zinsen.
Es handelt sich dabei zwar nur um Anleihen mit sehr kurzer Laufzeit. Dennoch ist darin vielleicht ein Paradigmenwechsel erkennbar: Wenn das Motto mangels besserer Invest-Alternativen derzeit lediglich “Wichtig ist, dass man sein Geld zurückbekommt” (SPON) lautet, könnte darin eine Chance für Social Investments liegen. Offenbar sind Anleger also auch in größerem Maßstab bereit, ihr Geld sicher durch die Krise zu bringen und verzichten dabei auch auf liebgewonnene Renditen. Gelänge es, auch nur einem Teil dieser Anleger die Nachhaltigkeit von Social Investments zu verdeutlichen, würden neue Quellen für diese Finanzierungsform erschlossen werden.
Die Krise im Finanzmarkt könnte somit zur Chance für die Entwicklung von Social Investment werden.
Mehrwert durch soziales Engagement: Engagementlernen in Unternehmen
Unter dem Titel “Mehrwert durch soziales Engagement” haben wir mit dem Heldenrat in der vergangenen Woche bei der EDEKA LUNAR Akademie Werbung für den Einsatz von Engagementlernen in Unternehmen gemacht.
Dahinter steckt die Idee, dass durch soziales Engagement nicht nur eine allgemeine Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch das Training von Managementfähigkeiten unterstützt werden kann. Beispiele aus der Heldenrat-Praxis etwa sind Fähigkeiten wie Moderation, Projektmanagement, Koordination & Strukturierung, Konzeptentwicklung oder Business Plan-Entwicklung, die bei uns erlernt werden können.
Wir werben daher dafür, dass das soziale Engagement von Mitarbeitern nicht nur unter dem Aspekt der Motivation und allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung gesehen, sondern auch als Teil der betrieblichen Weiterbildung diskutiert wird. Regelmäßiges und kontinuierliches Engagement der Mitarbeiter erhält dadurch Einzug in die systematische Personalentwicklung – ein Ansatz, der somit über das kurzfristige Engagement in Form von jährlich stattfindenden einzelnen Volunteering-Days und vergleichbaren Aktivitäten hinausgeht. Dass der freiwillige Charakter des Engagements erhalten bleiben muss, versteht sich von selbst.
Auf diese Weise kann gleich ein dreifacher Mehrwert entstehen:
1) Für die Mitarbeiter, deren freiwilliges Engagement eine Wertschätzung durch den Arbeitgeber erfährt und die dabei auch in ihrer Kompetenzentwicklung unterstützt werden.
2) Für die sozialen Initiativen, die sich im besten Fall über den längerfristigen Zuwachs an qualifizierter Unterstützung freuen können (statt nur temporärem einmaligen Aktionismus).
3) Und nicht zuletzt für die Unternehmen selbst, die von den erlernten Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter profitieren und sich ganz nebenbei gesellschaftlich engagieren können.
Heldenrat steht interessierten Unternehmen zu diesem Thema gern mit Einführungsvorträgen und weiteren Qualifizierungsangeboten zur Verfügung.
Sinn und Frust: Vom Arbeiten in sozialen Organisationen.
Die Arbeit in sozialen Initiativen – gleich ob haupt- oder ehrenamtlich – ist oft stark sinngetrieben. Die Mitarbeitenden verbinden mit ihrem Engagement häufig wertorientierte Vorstellungen und erhoffen sich Sinnstiftung. Aber können diese Erwartungen auch erfüllt werden?
Freiwillige Arbeit hift beispielsweise, Stress zu bewältigen. Zu diesem Ergebnis kommt Harald Pechlaner von der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Überdies berichten sozial Engagierte laut Theo Wehner von der Technischen Hochschule Zürich scheinbar seltener von Problemen mit ihrer Work-Life-Balance. Und natürlich können wir das durch unser Engagement beim Heldenrat nur bestätigen – wie oft trägt ein abendlicher Workshop mit einem sozialen Projekt nach einem stressigen Bürotag doch noch erheblich zur guten Laune bei
Gleichzeitig scheint nicht alles Gold zu sein, was glänzt: So berichten laut einer Studie in New York und Washington Beschäftige in Non-Profit-Organisationen überraschend häufig von Frustrationen und Enttäuschungen. Sie erleben aus Ihrer Sicht zu wenig Wertschätzung, empfinden die Bezahlung als zu gering und selbst die soziale Mission ihrer Organisation erleben sie in der Umsetzung nicht immer als überzeugend und sinnstiftend. Auch dieses Problem ist uns in unserer Arbeit bereits begegnet, wenngleich bislang eher aus Erzählungen von Hauptamtlichen in sozialen Organisationen.
Es zeigt sich: Auch soziale Organisationen sind trotz ihrer sinnstiftenden Ausgangsmission scheinbar nicht davor gefeit, dieselben Fehler wie ihre Pendants in der Wirtschaft zu machen. Es wird daher zu diskutieren sein, wie die beschriebenen Frustrationen behandelt werden können. Möglicherweise können beide Bereiche auch hier wieder voneinander lernen, wie man langfristige Zufriedenheit der Mitarbeitenden herstellt.
